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Klassische Musik und Oper von Classissima

Joseph Haydn

Freitag 24. März 2017


Brilliant Classics Blog

21. Februar

Various Composers: Stabat Mater

Brilliant Classics Blog Die Marienverehrung im katholischen Europa rückte den Text des mittelalterlichen Gedichts „Stabat mater dolorosa “ nach und nach in den Mittelpunkt der Musik. Die Mutterliebe zu Gottes Sohn symbolisierte für die Gläubigen eine Verbindung zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen. Seit der Renaissance vertonten zahlreichen Komponisten, zunächst in Italien und Spanien, bald schon aus ganz Europa, das Gedicht (dessen Autorschaft bis heute ungeklärt ist) über den Schmerz der Mutter Jesu um ihren gekreuzigten Sohn. Neben der Totenmesse „Requiem“ ist das „Stabat mater“ bis heute der am häufigsten vertonte religiöse Text. Die Brilliant-Classics-Box „Stabat Mater“ ist die umfangreichste Sammlung von Stabat-Mater-Aufnahmen, die jemals erschienen ist. Sie enthält 24 Vertonungen aus vier Jahrhunderten von der Renaissance bis zur Gegenwart. Neben den bedeutenden Kompositionen von Palestrina , Pergolesi , Alessandro und Domenico Scarlatti , Antonio Vivaldi , Luigi Boccherini , Joseph Haydn , Antonín Dvořák , Francis Poulenc und Arvo Pärt wartet die Sammlung auch mit Raritäten von Lorenzo Perosi , Johann Simon Mayr , Franz Lachner , Charles Villiers Stanford , Karol Szymanowski , Herbert Howells und Knut Nystedt auf. Spitzenensembles wie The Sixteen, das Ensemble Symposium, Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und die Gächinger Kantorei Stuttgart unter Helmut Rilling, der Stuttgarter Kammerchor und das Württembergische Kammerorchester unter Frieder Bernius, der Bach Choir und das Bournemouth Symphony Orchestra unter David Hill und der Coro della Radio Svizzera Italiana unter Diego Fasolis bürgen für höchste Interpretationskunst. Die eigens vom Publizisten, Kritiker und Bratschisten Philip Borg-Wheeler für die Sammlung verfassten Anmerkungen im Booklet runden diese einzigartige Box mit Höhepunkten der europäischen Vokalmusik ab. Die Box ist die ideale Ergänzung zur im Oktober 2015 erschienenen Requiem-Sammlung (95104BRC). Stabat Mater ist am 17. Februar 2017 auf Brilliant Classics (95370BRC) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de | → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden. Weitere Infos über die 14-CD-Box sowie die komplette Tracklist findet man auf der englischsprachigen Produktseite: http://brilliantclassics.com/articles/s/stabat-mater/

Crescendo

21. März

Woher kommt eigentlich … das Phänomen Wunderkind? - Jung und Alt

Wunderkinder sollen bewundert werden. Im Berliner Volksmund heißt das: „Ick kieke, staune, wundre mir.“ 1925 machte Kurt Weill daraus das Klopslied. Da wo man hinkiekt und staunt, dort lassen sich Wunderkinder in bare Münze verwandeln. Nicht nur Deutschland sucht den Superstar, die ganze Welt ist voller Wunder, man schaue nur bei Youtube nach. Es geht um Superlative, von denen sich das Wunderkind und sein Umfeld erhoffen, Stufe für Stufe in den Olymp von Ruhm und Reichtum zu gelangen. Vor dem Ehrgeiz des Kindes steht der Ehrgeiz der Eltern. Wunderkind Paganini erinnert sich an seinen Vater: „Bald erkannte er meine Naturanlage, ihm habe ich die Anfangsgründe in der Kunst zu verdanken. Seine Hauptleidenschaft ließ ihn sich viel zu Hause beschäftigen, um durch gewisse Berechnungen und Combinationen Lotterie-Nummern aufzufinden, von denen er sich bedeutenden Gewinn versprach. Deshalb grübelte er sehr viel und zwang mich, nicht von seiner Seite zu weichen, so daß ich vom Morgen bis zum Abend die Violine in der Hand halten musste … schien ich ihm nicht fleißig genug, so zwang er mich durch Hunger zur Verdoppelung meiner Kräfte, so dass ich körperlich viel auszustehen hatte, und die Gesundheit zu leiden begann.“ Der Komponist und Musikkritiker Alfred Julius Becher postulierte 1843 in den „Wiener Sonntagsblättern“, man solle „solche Kinderquälerei und Kunstprostitution unter polizeiliche Aufsicht stellen“. Die „Allgemeine Musikalische Zeitung“, zu deren Abonnenten auch Goethe zählte, bemerkte 1823, dass allerorts Wunderkinder „wie Pilze hervorschossen“. So wusste Goethe: „Die musikalischen Wunderkinder sind zwar hinsichtlich der technischen Fertigkeit heutzutage keine so große Seltenheit mehr …“, ergänzte jedoch in Bezug auf den jungen Mendelssohn: „… was aber dieser kleine Mann im Fantasieren und Primavistspielen vermag, das grenzt ans Wunderbare und ich hab es bei so jungen Jahren nicht für möglich gehalten.“ Gegenüber Zelter, der Mendelssohn unterrichtete, staunte er über den Zwölfjährigen: „Was Dein Schüler jetzt leistet, mag sich zum damaligen Mozart verhalten wie die ausgebildete Sprache eines Erwachsenen zu dem Lallen eines Kindes.“ Mozart als Maßstab, es sollte immer ein „neuer Mozart“ her. Mendelssohns Vater war als Bankier erfolgreich, wünschte sich von seinem Sohn Opern und Oratorien. Dafür scheute er weder Kosten noch Mühen. Mit 16 stellte Felix seine Oper Die Hochzeit des Camacho fertig. Der Sommernachtstraum ist das Werk eines 17-Jährigen. War es der Vater, der ihn antrieb oder – Mozart ähnlich – die Ahnung, früh vollenden zu müssen? Felix Mendelssohn starb mit 38. Es kann auch anders sein. Camille Saint-Saëns begann mit sechs Jahren zu komponieren, obwohl ihm dafür noch 80 weitere Jahre blieben. Oder war er erst drei Jahre alt, als er das erste Stück schrieb? Im Reich von „höher, schneller, weiter“ divergieren die Angaben. Mutter und Großtante förderten ihn, der Vater war kurz nach Camilles Geburt verstorben. „Als ich zweieinhalb Jahre alt war, setzten sie mich vor ein kleines Klavier, was seit Jahren nicht mehr geöffnet worden war. Anstatt darauf herumzutrommeln, wie es die meisten in meinem Alter getan hätten, schlug ich eine Note nach der anderen an, jedoch immer erst, wenn die vorherige ausgeklungen war.“ Literatur für Kinder zu spielen langweilte das Wunderkind, bald schon legten sie ihm Mozart und Haydn vor. „Mit fünf konnte ich kleine Sonaten korrekt spielen, gut interpretiert und in exzellenter Genauigkeit.“ Dass er all das unter Zwang getan habe, entkräftet Saint-Saëns in seinen „Musikalischen Erinnerungen“: „Ich habe in einer Biografie gelesen, ich sei mit der Peitsche bedroht worden, damit ich spiele. Das ist absolut falsch.“ Die italienische Geigerin Teresa Milanollo begann ihren Unterricht mit vier Jahren. 1843, als sie 16 war und ihre Schwester Maria elf, spielten die beiden im Wiener Redoutensaal vor 4.000 Leuten. „Seit Paganini dürfte sich kaum ein anderes Concert eines solchen Zuspruches erfreut haben, wie dieses.“ Hier rief Becher nicht nach „polizeilicher Aufsicht“, sondern lobte: „Die in noch so unreifem Alter übernatürlich erscheinende Tiefe der Empfindung und die daraus hervorgehende Vollendung der Exekution. So kann aber auch kein Mann spielen!“ Was steht hinter dem Wunsch, die Welt ins Kieken, Staunen, Wundern zu versetzen? Vielleicht der Ruf, mit dem Kurt Weills Klopslied endet: „Icke! Icke! Icke!!“ Stefan Sell




ouverture

19. Februar

Haydn: Piano Sonatas; Becker (Cavi-Music)

„Seit meiner Kindheit begeistern mich Haydns Klaviersonaten“, schreibt Markus Becker. Der Pianist, der als Professor an der Hochschule für Mu- sik, Theater und Medien Hannover lehrt, kommt aus dem Schwärmen nicht heraus, wenn er über diese scheinbar doch so unkomplizierten Werke von Joseph Haydn nachdenkt. „Es ist nicht Beethovens Kraft und Dramatik, auch nicht Mozarts traumwandlerische Schönheit. Haydn schreibt zutiefst menschliche Musik mit einer Grundhaltung, die dem romantischen Humorbegriff sehr nahekommt: ein Abbild unseres Lebens mit allen Schönheiten, Abgründen, Hoffnungen, Verlusten, Dramen, Freuden – getragen von Leidenschaft und Ironie.“  Und auch wenn das Notenbild auf den ersten Blick wenig geheimnisvoll ausschaut, mahnt Markus Becker, seien diese Sonaten doch keineswegs einfach zu spielen. Haydns Sonaten, bedauert der Professor, „wurden reduziert auf die Funktion als geistreicher Unterrichtsstoff. Dabei wurde völlig überhört, wie differenziert und nuancenreich Haydn zu Werke geht.“  Becker hat die Sonaten deshalb mit großer Sorgfalt gearbeitet. Das lohnt sich: Wenn man diese CD anhört, wird man Haydn neu entdecken – humorvoll, ideenreich, einen Komponisten, der ebenso durch exquisite Melodien begeistert wie durch unerwartete Wendungen und musikalische Überraschungen. „Vielleicht ist Haydn mehr noch als die großen Kollegen auf gute Interpreten angewiesen: ohne Klangfantasie, Gespür für musika- lische Rhetorik und Phrasenbildung ist diese Musik nicht zu gestalten“, meint der Pianist. „Vor allem die Fähigkeit, das Klangbild von einem Mo- ment auf den anderen zu verändern, das Stimmverhältnis neu zu balancie- ren, wird vom Haydn-Spieler verlangt.“ Markus Becker demonstriert am klingenden Beispiel, wie er sich das vorstellt, und man möchte diesen frischen, so gar nicht musealen Haydn immer wieder hören - und, bitte, bald mehr davon! 

ouverture

8. Februar

Paul Badura-Skoda plays Franz Schubert (Genuin)

Erneut sind beeindruckende Einspielungen von Klassikern des Klavierrepertoires durch Paul Badura-Skoda bei Genuin erschienen. Die erste Doppel-CD, die hier vorgestellt werden soll, gilt dem Schaffen Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827). Sie vereint die drei letzten Klaviersonaten des Komponisten, in einer Aufnahme, die 2013 im Joseph-Haydn-Konservatorium Eisenstadt entstanden ist, und die Große Sonate für das Hammerklavier op. 106 in einem Konzertmitschnitt, der im Juni 1976 in der Filharmonia Narodowa in Warschau aufgezeichnet wurde.  Eine weitere CD, es ist die jüngste der drei, porträtiert den heiteren Franz Schubert (1797 bis 1828). Wir erleben den Musiker in der Sommerfrische: „Dir die Lieblichkeit dieses Tals zu beschreiben, ist beinahe unmöglich“, so begeistert schilderte Schubert 1825 sein Feriendomizil in einem Brief an seinen Bruder Ferdinand. „Denke Dir einen Garten, der mehrere Meilen im Umfange hat, in diesem unzählige Schlösser und Güter, die aus den Bäumen heraus oder durchschauen, denke Dir einen Fluß, der sich auf die mannigfaltigste Weise durchschlängelt, denke Dir Wiesen und Äcker, wie eben viele Teppiche von den schönsten Farben, dann die Straßen, die sich wie Bänder um die herumschlingen, und endlich stundenlange Alleen von ungeheuren Bäumen, dieses Alles von einer unabsehbaren Reihe von den höchsten Bergen umschlossen, als wären sie die Wächter deses himmlischen Tals, denke Dir dieses, so hast Du einen schwachen Begriff von seiner unaussprechlichen Schönheit.“ Während seines Aufenthaltes in diesem Paradies, in Bad Gastein, komponierte Schubert die D-Dur-Sonate D 850; fast scheint es, dass er die Freude an dieser idyllischen Landschaft in eine Freude an Klängen und Harmonien übersetzt hat. Paul Badura-Skoda musiziert, indem er einerseits die Werke beinahe philosophisch ausdeutet; er unterlegt Themen gern sogar Liedtexte. Er liest zudem den Notentext ausgesprochen aufmerksam, und gestaltet sorgsam, bis ins kleinste Detail.  Die Aufnahme der Gastein-Sonate ist 2015 bei Bösendorfer in Wien entstanden. Ergänzt wird sie durch die Drei Klavierstücke D 946 aus Schuberts Todesjahr 1828, eingespielt 2014 in Eisenstadt. Wie bei allen seinen Aufnahmen, hat Paul Badura-Skoda auch in diesem Falle einen sehr lesenswerten Kommentar zum Werk verfasst, der im Beiheft abgedruckt ist.  Die Anmerkungen des Pianisten vermitteln Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Musikstücken, und sie erläutern kurz und knapp seine Auffasssungen zu Deutung und Interpretation. Wozu er sich in diesen Texten nicht äußert, das ist die Auswahl des Instrumentes. Diesem Thema hat Badura-Skoda aber eine weitere Doppel-CD gewidmet – und dort sind die Drei Klavierstücke D 946 noch einmal zu hören, interpretiert diesmal nicht aus einem Steinway D, wie in der Eisenstädter Aufnahme, sondern auf einem Hammerflügel von Conrad Graf, angefertigt um 1826. Er befindet sich in der Sammlung der Irnberger Foundation in Salzburg, wo diese Aufnahme 2011 entstanden ist. Auf diesem Instrument hat der Pianist auch die Sonate B-Dur D 960 eingespielt. Sie erklingt noch zwei Mal, zum Vergleich – gespielt von Paul Badura-Skoda auf einem modernen Steinway und auf einem älteren Bösendorfer Imperial, die sich in seinem Besitz befinden. Warum gleich drei Versionen? „Weil dieses Werk so unauslotbar ist, dass auch das vollkommenste Klavier ihm nicht ganz gerecht wird“, erklärt der Pianist im Beiheft. „In jeder der drei neuen Aufnahmen kommen verschiedene Facetten zum Ausdruck, die dem jeweiligen Instrument ent- lockt werden konnten, wie etwa der farbenreiche Klang des Hammerflü- gels, der edle Klang des Steinways, der samtene Ton des Bösendorfers.“



Crescendo

7. Februar

Nachruf: Heinrich Schiff - Heinrich Schiff

„Die Saiten schweigen“, titelte der SWR, als ein Tag vor Weihnachten die Nachricht kam, dass der Cellist und Dirigent Heinrich Schiff in einem Wiener Krankenhaus verstorben war. Mit kaum 65 Jahren. Lange war er krank gewesen. Viele wussten davon, doch Schiff, dieser leidenschaftliche, kompromisslose, unersättliche Künstler, der sich nie schonte, wusste es wohl am besten. „Ich verglühe wie eine Zigarre, die man auf beiden Seiten zugleich angezündet hat“, räumte er bereits 2004 ein. Nun ist er gegangen. Unsterblich bleibt seine große Kunst, der unmittelbare Ausdruck, die Intensität, die Emphase seines Spiels. Jede Phrase, etwa von Bach, wusste er elegant zu ziselieren, in Ton zu „meißeln“, präzise in allen Lagen und dynamischen Registern. Die Bogentechnik hatte sich der junge Schiff beim berühmten André Navarra abgeschaut. Seine Einspielung der Bachschen Suiten wurde 1985 zur Referenzaufnahme und für Nikolaus Harnoncourt, einst selbst Cellist, zu einer „der eindrucksvollsten Interpretationen“, die er je gehört hatte. Unvergesslich bleibt Heinrich Schiff auch als Mensch, als Pädagoge. Nicht immer umgänglich. Eher direkt und oft eigenwillig. „Meist rauschte er in seinem Porsche 928 an. Wenn das weiße Coupé mit dem roten Cellokasten unter der Glasabdeckung des Kofferraums gegenüber der Kirche stand, wusste man: Schiff ist da“ (BR). Schüler Daniel Müller-Schott erinnert sich an Zeiten in Schiffs Haus am Attersee. „Er war wahnsinnig großzügig. Wir haben in seiner Küche gekocht und dann wieder geübt. Wir haben Billard gespielt, durften auf seinen Celli spielen. Und sogar sein Auto benutzen.“ Schiffs Selbstironie kam am besten in Interviews heraus. In einem, das wir führten, beschrieb er sich als einen Mann mit viel „zu kurzen Armen“, als „Metzgerstyp mit Wurstfingern“. Den oft unter Cellisten vertretenen Typus des „langgliedrigen, groß gewachsenen, melodiesäuselnden Schönlings“ beneidete er fast ein bisschen. Mit dem Narzissmus, der diesem Typus oft nachgesagt wird, hatte er, der „musikalische Handwerker“ Schiff, allerdings nichts am Hut. „Cellisten sind eher Kitschbrüder als Geiger“, lachte er. „Das liegt daran, dass, wenn sie klein sind und mit dem großen Cello herumlaufen, die alten Tanten so begeistert sind. Da ist ein starkes Verhältnis zum Bewundertwerden.“ Bewundert wurde Schiff, der 1951 in einem Musikerhaushalt in Gmunden geboren wurde, nicht. Dazu lag die Messlatte zu hoch. Seine Mutter Helga Riemann war die Enkelin des berühmten Musikwissenschaftlers Hugo Riemann, sein Vater Pianist. Beide waren auch Lehrer und Komponisten, was Schiff nachhaltig auch in der Wahl seines Repertoires prägte. Mit Enthusiasmus transportierte er die Botschaften der zeitgenössischen Komponisten in die Welt. Packend seine Version des Ersten Cellokonzerts von Schostakowitsch. Henze, Rihm, Otto M. Zykan, Křenek, Lutosławski schrieben Werke für ihn. „Die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik kann anstrengend bis schmerzhaft sein“, räumte Schiff im Gespräch allerdings ein. Das aber sei der Sinn: „Der Wunsch des Komponisten, die Auseinandersetzung mit dem Publikum zu pflegen. Es ist auch gleichzeitig die Auseinandersetzung mit sich selbst.“ Nur mit Friedrich Gulda, der für ihn ebenfalls ein Cello(!)konzert schrieb, kam es zum Zerwürfnis, weil Schiff es bei den Salzburger Festspielen durch eines von Haydn ersetzt hatte. Doch auch Schiff war nicht selten dünnhäutig. Rasch konnte er sich durch Fotografen oder Huster gestört fühlen. Legendär sein Unmut über ein undichtes, tropfendes Dach in der Kieler Petruskirche – bei einem Konzert in Anwesenheit von Prinz Charles. Seine Liebe galt der Kammermusik, viele CDs zeugen davon, obwohl er der Branche kritisch gegenüberstand: „Viele Menschen verstehen Musik anders und meinen, es sei so eine Art Feierabend-Dekoration, mit der man leben kann. Das liegt nicht an ihrer vermeintlichen Dummheit oder Trägheit, es liegt daran, wie die klassischen Interpreten und deren Mithelfer, Plattenfirmen, Veranstalter, das vermarkten. Wie sie dem Zuhörer suggerieren, es handle sich um ein gesellschaftliches Ereignis. Wie heißt es schön: ,Erleben Sie Meisterwerke der klassischen Musik im historischen Ambiente und genießen Sie nachher aus der Küche des Chefs …‘“. Er schimpfte über das „Crossover- Getue“, wunderte sich, dass Leute, die er sehr schätzte, ihm plötzlich rieten, sein „Image“ zu ändern, damit es „besser laufe“. Dabei lief es gut. Das kulturpessimistische Gezeter und Jammern auf hohem Niveau konterte er mit Statements wie: „Uns Musikern geht es gut. Wir haben keine Not, leiden auch nicht unter Publikumsschwund.“ Und: „Auch negative Rezensionen gehen eher am Publikum vorbei.“ Wie Harnoncourt drängte es Schiff später zum Dirigieren. Unerträgliche Schmerzen in Schultern und Arm zwangen ihn, sein legendäres Stradivari-Cello, die 300 Jahre alte Mara, der sogar Wolf Wondratschek einen Roman widmete, beiseitezulegen. „Wieso schade?“, antwortete er auf mein Bedauern. „Das ist eine Frechheit. Es gibt so viele andere Cellisten, die das gut machen.“ Doch nur einen Heinrich Schiff. Teresa Pieschacón Raphael

ouverture

23. Januar

Haydn . Mozart (Querstand)

Joseph Haydn (1732 bis 1809) hat erstaunlich wenige Solo-Konzerte geschrieben; entstanden sind sie üblicherweise als Gelegenheitswerke, für befreundete Musiker. Norbert Anger lässt auf dieser CD gemeinsam mit den Dresdner Kapellsolisten unter Leitung von Helmut Branny jene bei- den Violoncello-Konzerte erklingen, bei denen die Autorschaft Haydns gesichert ist, weil Autographen auf- gespürt worden sind.  Das erste Cellokonzert in C-Dur Hob VIIb:1 komponierte Haydn vermutlich um 1765 für seinen Freund Joseph Franz Weigl, Erster Cellist der Hofkapelle beim Fürsten Esterházy. Es wirkt noch ziemlich barock – ganz anders als das zweite Cellokonzert in D-Dur aus dem Jahre 1783. Es entstand für Anton Kraft, der von 1778 bis 1790 in der Eisenstädter Hofkapelle musizierte, und um 1800, wie auch sein Sohn Nikolaus, als der beste Cellist in Wien galt. Dieses zweite Konzert wiede- rum kann sowohl in seiner Struktur als auch in seiner Melodik und Har- monik als das Musterbeispiel eines klassischen Konzertes gelten.  Ergänzt wird das Programm durch das Konzert D-Dur für Violoncello und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart. Kenner der Materie werden nun stutzen und darauf hinweisen, dass Mozart doch gar kein Cellokonzert geschrieben hat. Cellisten haben das immer bedauert, und deshalb gab es etliche Versuche, andere Konzerte des Komponisten für das tiefe Streich- instrument umzuarbeiten. So hat der Spanier Gaspar Cassadó Moreu (1897 bis 1966) Mozarts Hornkonzert Es-Dur KV 447 adaptiert. Er hat dazu nicht nur die Tonart geändert, sondern mit Kürzungen und Hinzufügungen auch in die Substanz eingegriffen. Cassadó hat dieses Werk 1930 in Bukarest zum ersten Male gespielt, und es danach in sein Konzertrepertoire aufgenommen.  Bekannt sind alle drei Konzerte. Dem Label Querstand kann man zu dieser Einspielung mit Norbert Anger und den von Helmut Branny geleiteten Dresdner Kapellsolisten nur gratulieren – denn diese gelungene CD wird ganz sicher ihre Käufer finden; sie hätte ohne Zweifel auch bei den „Platz- hirschen“ der Branche gut ins Programm gepasst.  Norbert Anger ist seit 2013 Konzertmeister der Violoncelli der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Er ist Preisträger vieler renommierter internationa- ler Wettbewerbe, darunter der Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau, der Concours Rostropovich in Paris oder der Deutsche Musikwettbewerb. Der Dresdner Cellist musiziert sehr souverän und klangschön, mit edlem, wie von innen erstrahlenden Ton – was besonders Haydns zweites Cellokon- zert zu einem Erlebnis werden lässt. Die Dresdner Kapellsolisten, gegrün- det 1994, sind ihm dabei kompetente Partner. Bravi! 

Joseph Haydn
(1732 – 1809)

Joseph Haydn (31. März 1732 - 31. Mai 1809) war ein österreichischer Komponist und führender Vertreter der Wiener Klassik. Er war Bruder des Komponisten Michael Haydn und des Tenors Johann Evangelist Haydn. Den größeren Teil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte Haydn als Hofmusiker auf dem Landsitz der wohlhabenden ungarischen Familie Eszterházy, wo er deren Orchester und Oper leitete. Die Abgeschiedenheit von anderen Komponisten und musikalischen Strömungen beschrieb er mit dem bekannten Zitat: „Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden.“ 1797 komponierte Haydn für Kaiser Franz II. das nach dem kroatischen Lied („Vjutro rano se ja stanem“) entstandene, in der Erstausgabe „Volkslied“ titulierte „Gott, erhalte den Kaiser!“ auf die hierzu gedichtete Worte von Lorenz Leopold Haschka; im Jahre 1841 mit dem wiederum eigens hierzu geschaffenen Text des Liedes der Deutschen von August Heinrich Hoffmann aus Fallersleben unterlegt, dient sie heute, mit dessen dritter Strophe, als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland.



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